Roswitha (Hrotsvitha)
von Gandersheim

um 935 - nach 973

Nonne, Mystikerin, Dichterin


Illustration Albrecht Dürer 1501

Die Benediktinerin Roswitha (Hrotsvitha) von Gandersheim gilt als erste bekannte deutsche Dichterin. Für lange Zeit geriet ihr Werk in Vergessenheit. Erst 1501 wurde es in Buchform, versehen mit Illustrationen aus der Werkstatt Albrecht Dürers, zugänglich gemacht.

Roswitha, die vermutlich aus einem adligen sächsischen Geschlecht stammt, tritt als junges Mädchen in das Kloster Gandersheim ein. Dort wird ihr eine hervorragende Erziehung zuteil. Sie wird mit den römischen Klassikern Horaz, Ovid, Virgil und mit christlichen Dichtern wie Prudentius und Sedulius vertraut gemacht.

Die Hauptwerke von Roswitha von Gandersheim sind poetisch geformte Heiligenlegenden, in die sie Zeitgeschehen und zeitgenössisches Denken einfließen lässt. In der Pelagius-Legende schildert sie neben dem Leidensweg des spanischen Märtyrers auch die politischen und religiösen Zustände im maurischen Spanien. Ihre Darstellungen enthalten nahezu alle populären Vorurteile, vom Götzenkult bis zur moralischen Verworfenheit des Islam und der Brutalität seiner Anhänger. Ihre Schilderungen sind drastisch und überzogen, doch geht es ihr im wesentlichen darum, Pelagius im Kontrast zu einem verworfenen Khalifen als außergewöhnlich charakterstark und glaubensfest darzustellen.

Glanzpunkte ihres Schaffens sind drei Bücher. Das erste Buch enthält geistliche Dichtungen und Verslegenden. Diese Schriften, welche sie ihrer Lehrerin Gerberga, einer Nichte Otto I. und Äbtissin des Klosters Gandersheim, widmet, befassen sich mit Themen über die Heilige Maria, die Heiligen Gangolf und Theophilus. Sie thematisiert den Sieg christlicher Frauentugenden über heidnische Lasterhaftigkeit und erzählt von starken Frauenpersönlichkeiten. In 903 Versen beschreibt sie das Leben der Maria von ihrer Geburt bis zur Flucht.

Das zweite Buch besteht aus sechs in Reimprosa gehaltenen Dramen. Im Vorwort erklärt sie, dass sie ihre Dramen in denen der Triumph der Keuschheit gefeiert wird, den vielgelesenen Komödien des römischen Dichters Terenz entgegenstellen will. Ihren eigenwillig gestalteten Dramen verleiht sie durch eine ausdrucksstarke Sprache und differenzierte Psychologie bis heute Aktualität. Obwohl ihre Werke "Gallicanus" und "Abraham" die ältesten dramatischen Versuche darstellen, sind sie nie aufgeführt worden.

In ihrem dritten Buch verfasst Roswitha die Geschichte ihres Klosters und glorifiziert in historischen Gedichten Otto I.

Ihr Schaffenszeitraum liegt zwischen 962 und 973. Es wird vermutet, dass Roswitha zwischen 973 und 975 gestorben ist.

Linktipp:
Original-Werke von Hrotsvitha in lateinischer Sprache
Biblotheca Augustana, Universität Augsburg


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