Evita Perón

7.5.1919 - 26.7.1952


Schon zu Lebzeiten war Evita Perón ein gefeierter Mythos. Auch ohne Staatsamt beeinflusste sie die Politik ihres Mannes Juan Peróns.

Ein uneheliches Baby wie Eva, geboren am 7. Mai 1919, hat in dem winzigen Dorf nahe Buenos Aires nicht viele Chancen. Zusammen mit ihren vier Geschwistern wächst sie in erbärmlichen Verhältnissen auf. Doch Eva, genannt Evita (kleine Eva), hat bereits als Kind einen unbändigen Ehrgeiz und das Ziel, berühmt zu werden. Mit 15 geht das schlaksige, brünette Mädchen nach Buenos Aires, um dort eine Karriere als Schauspielerin zu starten.

Bis auf kleinere Engagements in mäßigen Stücken und zwei noch schlechteren Filmen bleibt sie jedoch erfolglos. Evita lebt in heruntergekommenen Hotels und verdient ihr Geld hauptsächlich mit zweifelhalften Jobs in Nachtclubs. Doch sie arbeitet systematisch an ihrer Zukunft. Sie blondiert ihr Haar und sucht sich die Liebhaber nach deren Einfluß aus. Diese Affären bringen ihr tatsächlich Glück. Evita spricht Hörspiele für verschiedene Radiostationen und bekommt einige Zeit später eine eigene Sendung, mit der sie in Buenos Aires bekannt wird.

Anfang 1944, Evita ist 24, lernt sie auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung den ehrgeizigen konservativen Kriegsminister Juan Perón kennen. Sie ahnt ihre Chance. Fest entschlossen, unentbehrlich für den Politiker zu werden, spannt sie ihn noch am selben Abend seiner Begleiterin aus.

Bald wirbt Evita in ihrer einstündigen täglichen Radio-Show leidenschaftlich für das politische Programm Peróns, der mehr soziale Gerechtigkeit und eine unabhängige, starke Wirtschaft fordert. "Ich habe mich fanatisch Perón und seinen Idealen verschrieben", sagt sie später oft, "ohne Fanatismus kann man nichts vollbringen." Ihre emotionsgeladene Sendung begeistert vor allem das einfache Volk, das Evita als "eine von uns" anerkennt. Die Arbeiter erheben sie zum Idol, sie akzeptieren sie - und mit ihr auch die politischen Ziele Peróns.

Wie mächtig Evita geworden ist, zeigt sich im Oktober 1945, als Perón bei einem Putsch verhaftet wird. Evita organisiert einen beispiellosen Protestmarsch, an dem mehr als 200.000 Menschen teilnehmen. Aus Angst vor einem Bürgerkrieg geben die Putschisten nach und lassen Perón frei. Am nächsten Tag heiratet er Evita. Sechs Monate später wird Perón zum Präsidenten gewählt.

Die feine Gesellschaft von Buenos Aires verachtet die Präsidentengattin wegen ihrer Herkunft und ihrer Geltungssucht, doch scheint Evita am Ziel ihrer Träume. Sie gibt Millionen Dollar für Luxusroben und Schmuck aus - woher das Geld kommt, bleibt ihr Geheimnis.

Als First Lady steigt auch ihr politischer Einfluß. Obwohl sie nie ein offizielles Staatsamt annimmt, kann sie für die Argentinierinnen 1947 das Frauenwahlrecht durchsetzen. Politisch gibt sich das kinderlose Präsidentenpaar sozial, doch Juan und Evita herrschen wie Diktatoren. Schlüsselpositionen besetzen sie mit Vertrauensleuten, lassen politische und gesellschaftliche Gegner gnadenlos von einer Geheimpolizei bespitzeln und verfolgen, die Pressefreiheit aufheben. Wegen Evitas außergewöhnlichem sozialen Engagement stehen die Armen trotz allem hinter ihr, während die Oppostition gegen Juan Perón wächst.

Als Evita 1951 an Leukämie erkrankt, sitzen Hunderte von Frauen tagelang vor iher prachtvollen Risidenz in Buenos Aires und beweinen die Volksheldin. Am 26. Juli 1952 stirbt Eva Perón.

Drei Jahre später wird Präsident Perón gestürzt und flieht ins Exil. Die jahrelang unterdrückten Anti-Peronisten vernichten nahezu jede Erinnerung an Evita. Ihre Bilder, Bücher und persönlichen Papiere werden öffentlich verbrannt, die Denkmäler eingerissen.

Zum Weiterlesen:
"Evita Perón, Mythos und Macht", John Barnes




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