Lola Montez

17.2.1821 - 17.1.1861


Lola Montez, Gemälde von Josef Stieler

"Bleib' du bei deiner Stola, ich bleib' bei meiner Lola!"
(Ludwig I. an Erzbischof von München und Freising)


Lola Montez wird als Marie Dolores Eliza Rosanna Gilbert am 17. Februar 1821 in dem irischen Dorf Grange bei Sligo geboren. Ihre Eltern sind der englische Offizier Edward Gilbert und die von irischem Landadel abstammende Eliza Oliver. 1823 wird Edward Gilbert mit seiner jungen Familie nach Kalkutta ins britische Kolonialreich versetzt. Er stirbt 1823 in Dinapore an der Cholera. Eliza wächst in Indien, England und Schottland auf. Sie heiratet 1837 den Offizier Thomas James. 1839 geht das Paar nach Indien. Die Ehe wird geschieden und Eliza Gilbert kehrt zurück nach England.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts wird Spanien als ein kulturgeschichtlich attraktives Reiseziel entdeckt. Vor allem die maurisch geprägten Städte Andalusiens ziehen reiselustige Schwärmer und verwegene Abenteurer in ihren Bann. Eliza versteht es blendend, sämtliche Klischees einer spanischen Pikara zu bedienen. Aus Eliza Gilbert wird Lola Montez. "Lola" ist die Kurzform des spanischen Namens Dolores. Der Nachname ist dem andalusischen Stierkämpfer Francisco Montez (1804-1851) entlehnt. Er gilt als der beste Torero seiner Zeit. Im Juni 1843 tritt Lola Montez in London zum ersten Mal als Solotänzerin aus Sevilla auf. Der Identitätswechsel wird vom Publikum durchschaut. Die Tänzerin verlässt England und zieht über den Kontinent. Sie gastiert in Sankt Petersburg, Warschau, Berlin, Dresden und Paris. Nach ihren stets von Skandalen und Affären begleiteten Auftritten wird sie zumeist aus den Städten ausgewiesen. In Frankreich kommt es zu einem Sensationsprozess, nachdem ihr Liebhaber im Duell erschossen wurde.

Im Oktober 1846 bemüht sich die Tänzerin Lola Montez um ein Engagement am Münchner Hof- und Nationaltheater. Sie war von der Intendanz bereits abgewiesen worden, als ihr König Ludwig persönlich einen Auftritt verschafft.

Das Publikum ist von den „wahrhaft känguruh-artigen Sprüngen der Schönen“ eher komisch berührt als hingerissen. Lola Montez habe Ausstrahlung und Appeal, jedoch zur Tänzerin habe sie „keinerlei Talent“. Sie erregt Aufmerksamkeit, weil ihr Tanz eher einem Striptease gleicht. In Fachkreisen ist das Münchner Debüt durchgefallen. Der Hoftänzer Laroche schreibt in sein Tagebuch: „Lola Montez, eine spanische Tänzerin so schlecht, wie es keine zweite gibt, betrat unsere Bühne zweimal und wurde ausgezischt und gerufen. Sie trat von der Bühne ab, um im Privatleben eine Rolle zu spielen, von der ganz Bayern spricht“.

Der Aufenthalt in München gerät zum Höhepunkt ihrer Biographie. Ludwig I. König von Bayern verehrt Lola Montez, die das Leben in München als Favoritin der königlichen Schönheitsgalerie, luxuriöse Salondame, verschwenderische Mätresse des Königs und als in den bayerischen Adelsstand erhobene Gräfin von Landsfeld in vollen Zügen geniesst. Zu den intimsten Zeugnissen der königlichen Verehrung für Lola Montez zählt eine Marmorskulptur ihres Fußes. Ludwig hütet den Fuß wie einen Fetisch und überdeckt ihn mit Küssen, „die eigentlich für ihr liebes Original bestimmt“ waren. Das Werk stammt von dem Bildhauer Johann Leeb. Wie Leeb jedoch ganz offen gesteht, sei der Fuß der Lola Montez aber so deformiert, dass eine Abformung nach der Natur nicht sehr vorteilhaft ausgefallen wäre. Deshalb habe sich der Bildhauer mit einer Nachbildung der Venus von Milo beholfen.

Im Jahr 1848 wird für demokratische Zielsetzungen mit unterschiedlicher Vehemenz in ganz Europa gekämpft. Lola Montez wird zum katalytischen Auslöser der 48er-Revolution in München. Am 20. März 1848 dankt König Ludwig I. von Bayern zu Gunsten seines Sohnes Maximilian ab, da er den demokratisch-liberalen Forderungen der Revolutionäre nicht nachgeben will und wegen seiner Beziehung zu Lola Montez ohnehin im Zwielicht steht.

Nach der Flucht aus Bayern lebt Lola Montez im Schweizer Exil. 1849 kehrt sie nach England zurück. Sie hinterläßt ihre 1851 veröffentlichten „Memoiren“ gewissermaßen als europäisches Testament und wandert nach Amerika aus.

Im Februar 1851 erreicht Lola Montez New York. Am Broadway zeigt sie die Theaterrevue „Lola Montez in Bavaria“. Sie bereist die Westküste, erfindet den „Spider Dance“ und zieht sich in die kalifornische Goldgräberstadt Grass Valley zurück. Es folgen zwei weitere Ehen. 1855 geht Lola Montez auf Tournee nach Australien. In den Vereinigten Staaten schreibt sie Schönheitsratgeber und engagiert sich für „gefallene Mädchen“.

Lola Montez stirbt am 17. Januar 1861, kurz vor ihrem 40. Geburtstag in New York. Sie liegt auf dem Greenwood-Friedhof in Brooklyn begraben.


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