Golda Meir

3.5.1898 - 8.12.1978


In ihren Lebenserinnerungen erwähnt Golda Meir eine Geschichte, die in Israel die Runde machte: Ben Gurion habe sie "den einzigen Mann im Kabinett" genannt. Ironisch schreibt sie: "Was mich daran amüsierte war, dass derjenige, der die Geschichte erfunden hatte, offensichtlich glaubte, dies sei das grösste Kompliment, das einer Frau gemacht werden könne. Ich bezweifle stark, dass irgendein Mann geschmeichelt gewesen wäre, hätte ich über ihn gesagt, er sei die einzige Frau in der Regierung."

Als Golda Mabovitch, Tochter eines armen jüdischen Zimmermanns, am 3. Mai 1898 in Kiew/Ukraine geboren wird, sind Judenprogrome durchaus an der Tagesordnung. Zu ihren frühesten Kindheitserinnerungen gehören wild gewordene Kosaken, die einfach über ihre Spielkameraden hinwegreiten und die kläglichen Versuche ihres Vaters, mit Brettern die Haustür gegen eindringende Soldaten zu verbarrikatieren.

1906 wandert die Familie nach Amerika aus. In Milwaukee/Wisconsin und Denver/Colorada besucht sie die Schule und studiert später am Lehrerinnenseminar in Milwaukee. Schon in jungen Jahren behauptet sich Golda in der Männerwelt. Da in der Synagoge nur Männer sprechen dürfen, steigt sie, ausgestattet mit mehr als einer Portion Selbstvertrauen, kurzerhand vor der Tür auf eine Holzkiste um ihre Rede zu halten. Sie schliesst sich der sozialistisch-zionistischen Bewegung an und gilt bald als begabte Straßenrednerin. Gerade 19 Jahre alt heiratet sie den Schildermaler Morris Meyerson, den sie bereits zu Highschool-Zeiten kennengelernt hatte.

Gemeinsam mit ihrem Mann übersiedelt die willensstarke Frau 1921 in das britisch verwaltete Palästina. Dort leben sie zunächst drei Jahre lang im Kibbuz Merhavia. Golda lernt Hebräisch und Arabisch. 1923 zieht das Paar nach Tel Aviv, wo Golda im Rahmen der Gewerkschaft Histadrut zu arbeiten beginnt. Im Abstand von eineinhalb Jahren werden ihre zwei Kinder, Menachem und Sarah, geboren.

Doch auch als Mutter bleibt Golda Vollblutpolitikerin. 1926 wird sie in den palästinensischen Frauen-Arbeiterrat und in die Exekutive der Histadrut-Organisation gewählt, engagiert sich in der linken Mapai-Bewegung und macht sich bald einen Namen als energische Politikerin. 1946 übernimmt sie die Leitung der politischen Abteilung der Jewish Agency. Zu Beginn des Jahres 1948, als es darum geht, den Ausbruch des israelisch-arabischen Krieges zu verhindern, begibt sie sich als Araberin verkleidet über die Frontlinien ins Feindesland. Zur Sicherung des Friedens führt sie geheime Verhandlungen mit dem jordanischen König Abdallah. Diese verlaufen allerdings ergebnislos. Der Staat Israel wird offiziell am Nachmittag des 14. Mai 1948 ausgerufen. Golda gehört zu den Unterzeichnern der Proklomation und startet eine Bilderbuchkarriere:

  • Von Juni 1948 bis April 1949 wird sie erste israelische Botschafterin in Moskau,
  • von 1949 bis 1956 Arbeitsministerin. In dieser Zeit trennt sie sich von ihrem Ehemann und gibt sich 1956 den Namen Golda Meir. Im gleichen Jahr wird sie zur israelischen Aussenministerin gewählt und hält das Amt bis 1966 inne.
  • Während dieser Amtszeiten legt sie den Grundstein für ein fortschrittliches System zur Sozial- und Altersversorgung und intensiviert die Beziehungen zu den neuen unabhängigen Staaten Afrikas.

Golda Meir, Moshe Dayan, 1973Drei Jahre später erreicht ihre Karriere den Höhepunkt: Als Regierungschef Levi Eschkohl am 26. Februar 1969 überraschend einem Herzanfall erliegt, wird die 70jährige Golda Meir als erste Frau Premierministerin von Israel. Ihre politische Karriere scheitert jedoch am Yom-Kippur-Krieg. Am 6. Oktober 1973 greifen Ägypten und Syrien ein vollständig unvorbereitetes Israel am Tag des jüdischen Versöhnungsfestes an. Israels politische und militärische Führung hat zuvor eindeutige Warnungen des israelischen Geheimdienstes vor einem drohenden Angriff in den Wind geschlagen. Nach schweren Verlusten kann die Armee die angreifenden Armeen zurückschlagen. Massive Kritik an Versäumnissen von Regierung und Armee in der Anfangsphase des Krieges veranlassen Golda Meir am 10. April 1974 endgültig als Regierungschefin zurückzutreten. Nach Übergabe ihres Amtes an Jizhak Rabin verzichtet sie auch auf ihren Parlamentssitz und zieht sich ins Privatleben zurück. Golda Meir stirbt am 8. Dezember 1978 im Alter von 80 Jahren in Jerusalem an Lymphgewebekrebs.

In zahlreichen Nachrufen wird Golda Meir als letzte große Persönlichkeit der isrealischen Gründergeneration gewürdigt und wegen ihrer Verdienste nennen sie viele Israelis liebevoll "unsere Golda". Doch Gegner kritisieren, sie habe sich nie ernsthaft um einen stabilen Friedensprozess bemüht, weil sie es ablehnte, die im 6-Tage-Krieg besetzten Gebiete zurückzugeben. Jizhak Rabin sah in der Regierungszeit Golda Meirs vor allem eine Zeit der vertanen Chancen. Zu einer umstrittenen Persönlichkeit machte sie auch ihre Äußerung: "...ein Palästinenservolk gibt es nicht."

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