Ellis Kaut

* 17. November 1920


Ellis Kaut

























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Ellis Kaut gehört zu den erfolgreichsten Hörspielautoren der Welt. "Pumuckl ist mein Lebenswerk", sagt die Schriftstellerin. Der 30 cm große rothaarige Kobold aus dem Geschlecht der Klabautermänner, stets barfuss, mit rundem Bäuchlein, verbreitet seit 40 Jahren Fröhlichkeit bei Jung und Alt.

Elisabeth Kaut, die ihren Vornamen zu Ellis abgekürzt hat, wurde am 17. November 1920 in Stuttgart als Tochter einer schwäbischen Mutter und eines bayerischen Vaters geboren. 1922 zog die Familie nach München um.

Ellis Kaut wäre vielleicht nie zum Schreiben gekommen, hätte sie sich nicht als Sechzehnjährige in den sieben Jahre älteren Schriftsteller Kurt Preis verliebt, der vor allem durch seinen Geschichtsband "München unterm Hakenkreuz" bekannt wurde. Um ihm zu imponieren, begann sie kleine Geschichten zu schreiben. Von ihrem schmalen Monatsgehalt als Kanzlei-Dienstanwärterin finanzierte sie eine Schauspiel-Ausbildung. Unterricht erhielt sie bei der Schauspielerin Magda Lena.

Am 21. November 1939 heiratete sie Kurt Preis. Wenn sich die Schriftstellerin heute jedoch an diese Zeit erinnert, denkt sie nicht an junges Eheglück: "Der Krieg hat uns die Jugend gekostet. Überall Angst, Tod und Verderben." Bis 1944 studierte sie Bildhauerei an der Akademie für Bildende Künste in München. Im März 1945 wurde ihre Tochter Ursula geboren. Ein halbes Jahr später kehrte ihr Mann aus russischer Gefangenschaft heim. Nach dem Krieg begann sie Novellen, Erzählungen und Hörspiele zu verfassen und wurde Sprecherin für Hörspiele und Kindersendungen beim Bayerischen Rundfunk. 1955 erhielt sie den Hörspielpreis des Bayerischen Rundfunks. Als Anfang der 60er Jahre der Bayerische Rundfunk bei der Kurzgeschichten- und Kinderbuchautorin nach einer neuen Hörfunkreihe anfragte, erfand sie das naive Klabautermännchen namens Pumuckl - wie es die Legende will, weil ihr Mann sie einmal so genannt hatte. Ellis Kaut ging mit ihrem Mann im Winter durch Schnee und Eis spazieren. Sie hatte einen rötlichen Haarschopf und eine rot gefrorene Nase, und wie sie da so herlief, entfuhr ihrem Mann, ohne dass er selbst gewusst hätte, woher und warum, der Ausruf: "Du bist ja ein richtiger Pumuckl!" Die Figur des rothaarigen Kobolds, der niemandem etwas Böses tun will, gegen Vorschriften und Konventionen rebelliert, und Dinge und Gebräuche in Frage stellt, war geboren. Im März 1962 ging er dem Meister Eder auf den Leim, wodurch er für diesen sichtbar wurde. Für alle anderen aber blieb er unsichtbar, weil er nämlich im Hörspiel, im Bayerischen Rundfunk, auf die Welt kam, unter dem Titel "Pumuckl und der Schmutz". Als 1965 eine entsprechende Buchreihe auf den Markt kam, hatte diese schon eine Auflage von 300.000.

Um der literarischen Figur ein adäquates Aussehen zu verpassen, schrieb Ellis Kaut an der Münchner Kunstakademie einen Wettbewerb aus. Die Vorlage für Pumuckl lieferte daraufhin die Künstlerin Barbara von Johnson: Stets barfuß, mit rundem Bäuchlein und roten Haaren klabautert er seitdem durch Bilderbücher, Covers von Schallplatten und Kassetten. 1978 begann der vorlaute Kobold seine TV-Karriere. Rund 100 Geschichten hat Ellis Kaut über den Pumuckl geschrieben, die in Buchform, aber auch als Kino- und Fernsehfilme weltweit verbreitet wurden. Seit Oktober 2000 erobert er sogar als Musical-Held die Herzen der kleinen und großen Fans.

Ellis Kaut ist für ihre schriftstellerische Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Bayerischen Verdienstorden, die Stadtmedaille "München leuchtet . . .", den Schwabinger Kulturpreis, Ernst-Hoferichter-Preis, und ist Preisträgerin des "Pro Meritis Scientiae et Litterarum".

Seit vielen Jahren lebt Ellis Kaut in Obermenzing - hier schrieb sie auch sämtliche Fernsehfolgen von "Meister Eder und sein Pumuckl", sowie zahlreiche Kinderbücher und stellte im eigenen Labor sämtliche Farbvergrößerungen für ihre Bildbände über München und Umgebung selbst her ("München zu allen Jahreszeiten", "Gleich hinter München - das Land Ludwig Thomas"). In den Pausen ihres Schreibens malt oder fotografiert sie und wenn ihr die Welt zu laut wird, flüchtet sie sich in ihren Garten. "Er hält mich gesund und nimmt mich in den Arm. Er ist lebensnotwendig", sagt sie. Hier habe sie auch Trost gefunden nach dem Tod ihres Mannes.

-gm-

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