Dr. Erika Fuchs

7.12.1906 - 22.04.2005



Donald Duck, der ewige Verlierer, Dagobert Duck, die reichste Ente der Welt, die Hexe Gundel Gaukeley, der Erfinder Daniel Düsentrieb, die ruchlosen Panzerknacker, sie alle lernten deutsch von Erika Fuchs. Die promovierte Kunsthistorikerin übersetzte über 40 Jahre die Geschichten aus Entenhausen und schuf im Laufe der Jahre eine unverwechselbare Sprache, die viel subtilen Witz und Wortspiele, Alliterationen und Stiledelsteine bietet.


Erika Fuchs wird als Erika Petri am 7. Dezember 1906 in Rostock geboren. Ihr Vater, August Petri, ist Direktor eines Elektrizitätswerkes und ihre Mutter, Auguste Petri, ist ausgebildete Sängerin und examinierte Lehrerin. Kurz nach ihrer Geburt zieht die Familie nach Reichenbach in Schlesien, 1912 erfolgt der Umzug nach Belgard in Hinterpommern. Dort verbringt sie ihre Kindheit und Jugend. Streng seien ihre Eltern gewesen, erzählt sie, viel strenger, als es um die Jahrhundertwende ohnehin die Regel war. Für schöne Kleidung oder Kino gab es keinen Pfennig, für Bildung dagegen wurde alles getan. Ab Ostern des Jahres 1913 besucht sie die Höhere Töchterschule, die ihr aber zunehmend missfällt. Mit Hilfe ihres Vaters und per Stadtratsbeschluss wechselt sie 1921 zusammen mit einer Freundin an das Knabengymnasium.

Nach dem Abitur studiert sie ab 1926 zunächst in Lausanne, später in München und zwei Semester lang auch in London Kunstgeschichte (Nebenfächer: Archäologie und mittelalterliche Geschichte). Im Winter 1931/32 macht sie ihr Examen und promoviert 1935 summa cum laude mit einer Arbeit über den Barock-Bildhauer Johann Michael Feichtmayr. Im Jahr 1932 heiratet sie den Heizungsfabrikanten und Erfinder Günter Fuchs und zieht ein Jahr später in das oberfränkische Schwarzenbach an der Saale. 1934 wird ihr erster Sohn geboren, 1938 kommt der zweite Sohn zur Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg macht das Geld den Fuchsens Sorge. Denn damit konnte der Erfinder Fuchs nicht so richtig umgehen. Erika Fuchs besinnt sich auf ihr Hobby, knifflige Texte aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Als sie im Radio hört, dass Reader's Digest Übersetzer sucht, übersetzt sie eine Probegeschichte, fährt damit nach Stuttgart und wird freie Mitarbeiterin.

Im Alter von 44 Jahren ändert sich ihr Leben nachhaltig. Mit der Zeit werden die Texte weniger. Wieder fährt sie nach Stuttgart und erhält als Erklärung dafür, dass viele Kriegsgefangene zurückkehren, die alle Arbeit suchen. Zwar akzeptiert Erika Fuchs dies, doch sie will natürlich auch Arbeit. Wild entschlossen, nicht zu gehen, bevor sie einen Artikel in der Hand hat, redet sie auf den Geschäftsführer ein und erzählt ihm auch von ihrem Engagement in der Elternvereinigung von Schwarzenbach. "Sie sind also Pädagogin?" fragt dieser interessiert darauf und Erika Fuchs, einer kleinen Notlüge nicht abgeneigt, wenn diese einen Job bedeuten solle, antwortet mit "Ja". Von da an drängt sich die Ente Donald, rund und quäkend in Erika Fuchs' Leben und legt ihren weißen Pürzel mitten auf ihren Schreibtisch.

1951 gründet die dänische Gutenberghus-Gruppe in Stuttgart den ehapa-Verlag, der Disney-Comics publiziert. Erika Fuchs wechselt zum ehapa-Verlag und übernimmt die Übersetzungsarbeiten sämtlicher in der Micky Mouse und in den Tollsten Geschichten mit Donald Duck erscheinenden Geschichten. Als Frau aus gutbürgerlichem Hause, hat sie noch nie Comics gesehen und kann sich nicht vorstellen, dass das jemand lesen würde. Aber ihr Mann ist ganz begeistert. Sie beginnt also, die Disney-Comics zu übersetzen, mit großer Freiheit, einer Fülle klassischer Zitate und politischer Anspielungen. Ihre Favoriten sind die Ducks, weil sie so schön unsentimental sind und ihnen nicht immer alles so gelingt wie dem oberschlauen Micky. Im Gegensatz zum amerikanischen Original gibt sie jeder Ente auch eine eigene Art zu sprechen. Dagobert spricht wie ein Herr, Donald lässt sie Klassiker zitieren, als Ausgleich für sein lädiertes Ego, und die Neffen plappern in unvollständigen Kindersätzen. Im September 1951 erscheint das Monatsmagazin "Micky Maus" erstmalig in Deutschland, vollständig übertragen von Erika Fuchs.

Was in den folgenden Jahren an Sprachwitz aus den Sprechblasen quillt, wie sie Anleihen bei Volksliedern, Sprichwörtern, Schiller, Goethe, Shakespeare, W. Busch mit einfliessen lässt, all das wird zu einem "Sprachkosmos", der aus einer anderen Dimension scheint. "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr", geloben Donalds Neffen Tick, Trick und Track frei nach Schiller. An anderer Stelle japsen sie: "Mir kreist der Hut! - Mein Gehirn käst! - Meins ist völlig verdunstet!" Entenhausen, ein eigenes popkulturelles Universum, in dem sich Erika Fuchs komplett austoben kann. Viele ihrer Sprachschöpfungen sind mittlerweile in den Alltagswortschatz eingegangen; das berühmteste Beispiel ist ihre Sentenz: "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör". Jedoch auch Geräusche müssen erfunden werden, Geräusche für Bewegung, Geschwindigkeit, emotionale Ausbrüche, für alles was Barks auf diesen Bildern darstellen will. Doch darum ist sie nicht verlegen. Sie schafft neue Ausdrücke wie "grübel, grübel" oder "seufz", greift aber auch auf Bewährtes zurück: "Klickeradoms!" Diese Wortschöpfung von Wilhelm Busch gibt bei Donald Duck das sehr spezielle Geräusch wieder, das entsteht, wenn eine mit Glühbirnen und Flaschen gefüllte Blechwanne zu Boden geworfen wird. Die Lautmalereien werden sogar noch ironisch kommentiert. Als Donald schnarcht "Sass! Zack! Schnorch! Gazong!", bemerkt einer seiner Neffen: "Reines Hochdeutsch ist das nicht."

Erika Fuchs übersetzt bis 1972 praktisch alles Disney-Material, danach nur noch die Barks-Episoden. Nach dem Tod ihres Mannes 1984 zieht sie nach München. Als ihr Augenlicht nachlässt beendet sie ihre Übersetzerarbeit und gibt 1988 die MM-Chefredaktion ab.

Im November 1994 erhält Erika Fuchs den Kulturpreis der Stadt Morenhoven, die "Morenhovener Lupe", – für die Sprachpflege im Mikrokosmos Entenhausen, und im Juli 2001 den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim verliehen.

Im Alter von 98 Jahren stirbt Erika Fuchs am 22. April 2005 in München. Mit Erika Fuchs trauere der Verlag um „die grande dame des Comics, die sprachliche Wegbegleiterin ganzer Generationen, die in Entenhausen gleichermaßen beheimatet war wie in internationaler Literatur und im deutschen Kulturgut”, heißt es in einem Nachruf des Berliner Egmont Ehapa Verlags.

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