Dian Fossey

16.01.1932 - 26.12.1985


Sie kämpfte im zentralafrikanischen Hochland für die vom Aussterben bedrohten Berggorillas

"Wieder betrachtete ich die Augen des Gorillas, weise und wissende Augen, und machte mir meine Gedanken über unsere Versuche, Affen eine Sprache beizubringen. Unsere Sprache. Wozu? Es gibt doch genügend Mitglieder unserer eigenen Spezies, die in und mit dem Wald leben und diese Sprache kennen und verstehen. Denen hören wir doch auch nicht zu. Wie kommen wir also darauf, dass wir uns ausgerechnet das anhören würden, was uns ein Affe zu sagen hätte? Oder darauf, dass er uns etwas von seinem Leben mitteilen könnte, in einer Sprache, die nicht aus diesem Leben entstanden ist? Vielleicht, dachte ich, ist es gar nicht so, dass sie eine Sprache erwerben müssten, sondern dass wir eine verloren haben."
Dian Fossey


Dian Fossey wird am 16. Januar 1932 in Faifax/Kalifornien geboren. Ihren Traum, Tiermedizin zu studieren, muss sie sich wegen schlechter Schulnoten aus dem Kopf schlagen. Statt dessen absolviert sie eine Ausbildung als Bewegungstherapreutin, macht 1954 ihren Abschluß und arbeitet mehrere Jahre in einem Kinderkrankenhaus.

Als sie 31 Jahre alt ist, besucht sie einen Vortrag über Berggorillas, der sie begeistert. 1963 reist sie nach Ostafrika. Im Grenzland zwischen Kongo und Uganda trifft sie erstmals auf die Berggorillas. Doch was sie dort vorfindet prägt ihr weiteres Leben. Die Gorillas werden abgemetzelt, ihre Köpfe und Hände als Souvenir an Touristen verkauft. Erschreckend ist die Jagd auf Gorilla-Babys. Da die Gorillas ihren Nachwuchs bis zur Selbstaufopferung verteidigen, schlachten die Wilderer skrupellos die erwachsenen Tiere ab, um an die Babys zu kommen. Dian Fossey entschließt sich, im Rahmen eines Forschungsprojekts des Anthropologen Louis Leakey das Verhalten der akut gefährdeten Berggorillas zu erforschen. In ihrem Buch "Gorillas im Nebel" schreibt sie darüber: "...Ich hatte den tiefempfundenen Wunsch, gemeinsam mit wilden Tieren in einer Welt zu leben, die von den Menschen noch nicht kaputtgemacht worden war...".
1967 beginnt sie im Kongo mit der Arbeit - allein mit ein paar Helfern, deren Sprache sie nicht versteht, allein mit den nächtlichen Geräuschen des Urwaldes. Vor Angst traut sie sich anfangs kaum aus ihrer Hütte. Ein halbes Jahr später flieht Dian vor den Kongo-Wirren nach Ruanda, wo sie im September 1967 in 3000 Meter Höhe die Karisoke-Forschungsstation - ihr Lebenswerk - gründet. In den Virunga Mountains, einem Rückzugsgebiet der gefährdeten Berggorillas, beobachtet sie diese Tiere. Regendurchweichte, in Wolken gehüllte Berghänge, flechtenbehangene Baumgespenster und Gestrüpp bilden den Lebensraum ihrer Schützlinge. Fast 20 Jahre verbringt Dian dort. Aus der anfänglichen wissenschaftlichen Faszination erwächst eine tiefe emotionale Beziehung zu den Menschenaffen. Auf sensationelle Art gelingt ihr der direkte Kontakt zu den scheuen Primaten. Immer näher darf sie an die Gorilla-Gruppe heran, und als sie von ihr akzeptiert wird, lebt sie mit ihnen. Nie zuvor war dies einem Menschen gelungen. Die Absolutheit, mit der sie für ihre Tiere eintritt, entfremdet sie den Menschen. Ihre Einsamkeit wächst, ebenso ihre Exzentrik. Nyiramachabelli, die einsame Frau des Waldes, nennen sie die Afrikaner.

Dian Fossey liefert wichtige wissenschaftliche Beiträge zum Verhalten und zur Sozialstruktur der Gorillas. 1974 erhält sie von der University of Cambridge einen Doktortitel in Zoologie. Sie publiziert 1983 das Buch Gorillas in the Mist (Gorillas im Nebel), mit dem sie auf das Leben der vom Aussterben bedrohten Berggorillas eindringlich aufmerksam macht.

Unerträglich ist es für sie miterleben zu müssen, wie den "sanften Riesen" von Wilderen mit Schlingen nachgestellt wird, Dian Fossey mit Mitarbeitern, die von Wilderern ausgelegte Schlingen eingesammelt habenum sie abzuschlachten. Zum Schutz gegen die Wilderer organisiert sie Patroullien und unterhält eine Truppe von Askaris, bewaffneter Söldner, die sie mit Geldern aus eines von ihr gegründeten internationalen Hilfsfonds bezahlt. Damit schafft sie sich viele Feinde. Am 27. Oktober 1985 findet sie vor ihrer Tür ein hölzernes Bild, dessen symbolische Bedeutung sie kennt: Jemand wünscht ihren Tod.
In den frühen Morgenstunden des 27. Dezembers 1985 findet einer ihrer Mitarbeiter Dian Fosseys Leiche, halbnackt neben dem Bett in ihrer Hütte liegend, der Schädel zertrümmert mit Machetenhieben. Das Verbrechen an der Zoologin wurde nie gesühnt. Dians Wunsch entsprechend begrub man sie auf dem Gorillafriedhof, den sie in der Nähe ihrer Forschungsstation angelegt hatte.


Zum Weiterlesen:
Herold Hayes: "Dian Fossey. Die einsame Frau des Waldes"; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München
Dian Fossey: "Gorillas im Nebel"; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München
Linktipp:
The Dian Fossey Gorilla Fund International

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