Dorothea Erxleben


13.11.1715 - 13.6.1762

Ärztin

Dorothea Erxleben
Linktipp:
"...des Himmels Meisterstück"
Lobgedicht auf Dorothea Erxleben (J. J. Lange)

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"Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird. Wenn etwas dem größten Teil der Menschheit vorenthalten wird, weil es nicht allen Menschen nötig und nützlich ist, sondern vielen zum Nachteil gereichen könnte, verdient es keine Wertschätzung, da es nicht von allgemeinem Nutzen sein kann. So führt der Ausschluss vieler von der Gelehrsamkeit zu ihrer Verachtung. Dieses Unrecht ist ebensogroß wie dasjenige, das den Frauen widerfährt, die dieses herrlichen und kostbaren Gegenstandes beraubt werden."

Diese Zeilen wurden von Dorothea Christiana Erxleben, der ersten Doktorin der Medizin in Deutschland, im Jahr 1740 geschrieben und 1742 in der Schrift "Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten" veröffentlicht.

Dorothea Erxleben wird am 13. November 1715 als Dorothea Christiana Leporin in Quedlinburg im Harz geboren. Sie ist die Tochter des ortsansässigen Arztes Christian Polykarp Leporin und der Pastorentochter Anna Sophia Leporin. Zusammen mit ihrem älteren Bruder erhält sie durch den Vater ihren ersten Unterricht, erlernt nicht nur Sprachen, sondern wird auch in den 'nützlichen Wissenschaften' unterrichtet. Hierbei zeigt sie eine bemerkenswerte Begabung, die ihr später Zugang zum externen Unterricht durch den Rektor des Quedlinburger Gymnasiums ermöglicht. Ihre Ausbildung bei ihrem Vater setzt sie fort, begleitet ihn bei seinen Krankenbesuchen und geht ihm in seiner Praxis zur Hand. Sie durchläuft die gleiche Ausbildung wie ihr Bruder, der 1740 nach Abschluss der notwendigen Vorausbildung für ein Universitätsstudium an der Universität Halle immatrikuliert. Auch Dorothea strebt die Erlangung eines akademischen Grades an. Doch bleibt ihr trotz ihrer außergewöhnlichen anatomischen und medizinischen Kenntnisse ein förmliches Universitätsstudium verwehrt. (Erst am 20. April 1899 fasst der Bundesrat den Beschluss, Frauen zu den Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie im Deutschen Reich zuzulassen, sofern sie die hierzu nötigen Studiennachweise erbringen können. An Preußens Universitäten werden Medizinstudentinnen erstmals im Wintersemester 1908/1909 offiziell zugelassen.) Dorothea richtet eine Bittschrift an den jungen Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) in der sie um Erlaubnis zur Aufnahme eines Medizinstudiums an der Universität Halle bittet.

Zur gleichen Zeit beginnt sie mit der Niederschrift ihrer Gedanken zur Frage des Frauenstudiums und veröffentlicht 1742 ihre verfasste Schrift unter dem Titel "Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten, darinn deren Unerheblichkeit gezeiget, und wie möglich, nöthig und nützlich es sey, daß dieses Geschlecht der Gelahrheit sich befleisse". Sie legt hierin die gängigen Vorurteile und Hindernisse für das Frauenstudium dar und widerlegt überzeugend sämtliche Punkte.

Bereits ein Jahr vorher, 1741, erhält sie von den zuständigen preußischen Behörden einen positiven Bescheid auf ihr Gesuch, mit dem ihr nunmehr der Besuch der medizinischen Fakultät in Halle ermöglicht wird. Doch zunächst verzögert sich ihr Medizinstudium. Zu Beginn des ersten schlesischen Krieges erhält ihr älterer Bruder, mit dem sie gemeinsam die Universität besuchen will, seinen Einberufungsbefehl dem er sich durch seine Flucht in Gebiete außerhalb der Reichweite der preußischen Militärbehörden entzieht. Für Dorothea kommt ohne ihren Bruder ein Medizinstudium nicht in Betracht, da sie sich "alleine nicht nach Universitaeten getrauet."

Dorothea bleibt in Quedlinburg und heiratet mit 26 Jahren den verwitweten Diakon Johann Christian Erxleben aus dem Anhaltinischen. Zu den von ihm aus erster Ehe mitgebrachten fünf Kindern kommen später noch vier eigene hinzu. Um die materielle Lage der Familie zu erleichtern und die Schulden ihres 1747 verstorbenen Vaters abzutragen, versorgt und behandelt Dorothea ohne offiziellen Titel Kranke. Als eine ihrer Patientinnen an ihrem Leiden verstirbt, wird sie von alteingesessenen Ärzten der 'medicinischen Pfuscherey' beschuldigt und beim Stiftshauptmann von Quedlinburg angezeigt. Mit Verfügung erteilt dieser Dorothea die Auflage, sollte sie weiter praktizieren wollen, hat sie sich binnen drei Monaten in Halle der Doktorprüfung zu stellen. Am 6. Januar 1754 überreicht Dorothea dem Stiftshauptmann ihre Dissertation mit dem Titel "Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsicheren Heilung der Krankheiten". Sie richtet ein neues Gesuch an den preußischen König mit der Bitte um Zulassung zur Promotion, dem stattgegeben wird. Am 6. Mai 1754 tritt Dorothea Erxleben als erste Frau in den deutschen Staaten zum Promotionsexamen an und absolviert dieses mit großem Erfolg.

Bis zu ihrem Tode praktiziert Dorothea Erxleben als erfolgreiche Ärztin; ihr Spezialgebiet liegt in der Behandlung von Frauen und Kindern. Besonders angesehen sind ihre medizinischen Fähigkeiten in den höheren Gesellschaftskreisen und als Leibärztin der Äbtissin des Stiftes Quedlinburg. Am 13. Juni 1762, mit 46 Jahren, stirbt Dorothea Erxleben in Quedlinburg an einer Infektion.

-gm-

Lesetipp:
Dorothea Christiana Erxleben, Ihr Leben und Wirken, Heinz Böhm (Hrsg.)1985

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