Mileva
Einstein-Maric

19.12.1875 - 4.8.1948


Mileva Maric, 1896

"Wie glücklich bin ich, dass ich in Dir eine ebenbürtige Kreatur gefunden habe, die gleich kräftig und selbständig ist wie ich selbst! Außer mit Dir bin ich mit allen allein."
(Albert Einstein an Mileva Maric, 3. Oktober 1900).


Am 19. Dezember 1875 wird Mileva Maric in Titel in Ungarn geboren. Sie entstammt einer wohlhabenden Familie im heutigen Jugoslawien, damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörend. Ihr Vater, ein Gutsbesitzer, beendet einen Monat nach ihrer Geburt seine Karriere im Militärdienst und wechselt als Kanzlist in das Bezirksgericht Ruma, später an den Obersten Gerichtshof in Agram, dem heutigen Zagreb. Nach einer sorglosen Kindheit besucht Mileva ab 1882 die Volksschule in Ruma. Frühzeitig erkennt Milevas Vater die große Begabung seiner Tochter und ermöglicht ihr 1886 den Besuch der Serbischen Höheren Mädchenschule in Novi Sad. 1887 wechselt Mileva in die Realschule und ab 1890 in das königlich-serbische Gymnasium in Sabac. Die Familie zieht 1891/92 nach Zagreb um und Mileva setzt sie ihre Ausbildung am dortigen Königlichen Obergymnasium fort.

Da es in ihrer Heimat Frauen nicht gestattet ist zu studieren, macht sich Mileva im November 1894 auf den Weg in die Schweiz. Sie besucht zwei Jahre die Höhere Töchterschule in Zürich und legt an der Eidgenössischen Medizinschule in Bern ihre Maturitätsprüfung mit Erfolg ab. In Zürich schreibt sie sich zum Medizinstudium ein, doch wechselt sie dann an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) und belegt die Fächer Physik und Mathematik. Ihre Kommilitonen sind durchwegs männlich. Mileva ist die fünfte Frau, die in Zürich Physik studiert, doch in ihrem Jahrgang die einzige. Mileva Maric kommt im selben Winter-Semester 1896 wie Albert Einstein an die ETH Zürich. Sie verliebt sich in den jungen Mann und Albert Einstein erwidert ihre Zuneigung.

Im Privatleben, aber auch in der gemeinsamen Arbeit scheinen die beiden bald ein ideales Paar zu sein. Zwischen ihnen entwickelt sich über das gemeinsame Studium eine intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit, die für Einstein auch deshalb besonders wichtig wird, da er als Student und bis zu seiner Anstellung am Patentamt in Bern 1902, keinen Zugang zu akademischen Diskussionszusammenhängen hat. Die Diskussionen mit Mileva vermitteln ihm das notwendige intellektuelle Klima mathematische Gedankengänge zu entwickeln und zu formulieren. Milevas Anteil an den Arbeiten, mit denen Albert Einstein ab 1905 berühmt wurde, wird bis heute weitgehend verleugnet und liegt nicht einmal im Blickfeld der Einstein-Biografen. In einem Brief vom 27. März 1901 schreibt Einstein an Mileva: "Wie stolz und glücklich werde ich sein, wenn wir beide zusammen unsere Arbeit über die Relativbewegung siegreich zu Ende geführt haben. Wenn ich so andre Leute sehe, da kommt mir's so recht, was an Dir ist!"

Im April 1901 reist Einstein nach Italien. Ein paar Tage später folgt ihm Mileva. Wenige Wochen nach ihrer Rückkehr entdeckt Mileva, dass sie schwanger ist. Die beiden halten die Schwangerschaft geheim. Mileva leidet unter Schwächeanfällen und Appetitlosigkeit und ist wie besessen von ihrer Liebe zu Einstein. Doch der scheint sich plötzlich von ihr zu entfernen. Zwei Mal hintereinander versagt sie bei ihrer Abschlussprüfung. Sie beendet ihr Studium und erhält ein Abgangszeugnis. Im August 1901 verlässt sie Zürich und kehrt in ihre Heimat, die Vojvodina, nach Ungarn zurück.

Auf dem Familiengut in der Kleinstadt Titel, bringt Mileva am 27. Januar 1902 eine Tochter zur Welt. Mileva und Albert Einstein, 1903Milevas Vater informiert Albert Einstein über die schwierige Geburt. Dieser antwortet umgehend: "Armes, liebes Schatzerl, was mußt Du alles leiden, daß Du mir nicht einmal selbst schreiben kannst. Aber Du siehst, es ist ein Lieserl geworden, wie Du es wünschtest. Ist es auch gesund und schreit es schon gehörig? Was hat es denn für Augerl? Wem von uns sieht es mehr ähnlich." Doch die Begeisterung hält nicht an. Mileva Maric ist 26 Jahre alt, Einstein 23 Jahre und am Beginn seiner Karriere. Eine uneheliche Tochter könnte seinem Ansehen schwer schaden. Mileva aber weiß, dass ein Leben allein mit dem Kind in der Vojvodina lebenslange Schande und Isolation bedeuten würde. In einem Brief hatte Einstein schon kurz vor der Geburt gefragt, ob sie nicht in die Schweiz zurückkehren wolle ohne Kind.

Ohne die Tochter Lieserl kehrt Mileva im September 1902 in die Schweiz zurück und heiratet am 6. Januar 1903 Albert Einstein auf dem Standesamt in Bern. Sie verschweigen die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, deren Lebensweg bis heute nicht enträtselt ist. Einerseits wird vermutet, dass das Lieserl nach ihrer Geburt in der Vojvodina verblieb und dann zur Adoption freigegeben wurde. Andere Quellen vermuten, dass Lieserl von Geburt an schwer behindert war und bei Milevas Familie verbleibt. Im Alter von etwa 21 Monaten soll sie an den Folgen einer Scharlachinfektion gestorben sein.

Das junge Paar lässt sich 1903 in Bern nieder. Albert Einstein arbeitet im Schweizer Patentamt und an seiner Dissertation, Mileva ist erneut schwanger. Am 14. Mai 1904 kommt Hans Albert, ihr erster Sohn, zur Welt. Mileva ist glücklich, endlich hat sie die intakte Familie. Aber Einstein flirtet zunehmend mit anderen Frauen. Mileva betreibt im Haus eine kleine Pension für Studenten und ist mit der Erziehung ihres Kindes beschäftigt. Der zweite Sohn, Eduard, wird am 28. Juli 1910 geboren. Er ist geistig behindert und wird die meiste Zeit seines Lebens in Anstalten verbringen. Je offensichtlicher Eduards Behinderung wird, desto mehr entfernt sich Albert Einstein von der Familie.

Seit 1912 hat Einstein ein Verhältnis mit seiner Cousine Elsa. Einstein ist Mileva überdrüssig geworden, jedoch nicht gewillt, die Initiative zu einem Bruch zu ergreifen. Zur Fortsetzung der Ehe verpflichtet er Mileva in einem Brief vom 18. Juli 1914 auf folgende Regeln:

  1. Du sorgst dafür
    1. dass meine Kleider und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden.
    2. dass ich die drei Mahlzeiten im Zimmer ordnungsgemäß vorgesetzt bekomme.
    3. dass mein Schlaf- und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere dass der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.
  1. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf
    1. dass ich zuhause bei Dir sitze.
    2. dass ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.
  1. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:
    1. Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen.
    2. Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche.
    3. Du hast mein Schlaf- bzw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche.
  1. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.

1914 folgt Einstein dem Ruf der Berliner Universität und übersiedelt mit seiner Familie nach Berlin. Bald darauf trennen sich die beiden. Mileva mit ihren Söhnen, 1914Mileva geht mit ihren Söhnen wieder zurück nach Zürich. 1919 wird die Ehe zwischen Mileva und Albert geschieden, nachdem er ihr versprochen hatte, ihr das Geld aus dem von ihm fest erwarteten Nobelpreis in voller Höhe zu übergeben. Mit ihren Söhnen lebt Mileva in Zürich in bescheidenen Verhältnissen. Als Einstein 1921 tatsächlich den Nobelpreis für Physik erhält, überlässt er Mileva die Zinsen, die sie jedoch größtenteils für die Behandlung und den Aufenthalt ihres jüngsten Sohnes in der Heilanstalt Burghölzi aufbraucht. Milevas ältester Sohn, Hans Albert, beginnt nach dem Abitur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich mit einem Technik Studium. 1937 wandert er mit seiner Familie nach Amerika aus und ist lange Jahre als Professor für Hydraulik in Berkeley, an der Universität von Kalifornien tätig. Die letzten Jahre lebt Mileva allein und zurückgezogen. Nach zwei Schlaganfällen ist sie monatelang gelähmt. Am 4. August 1948 stirbt Mileva Maric-Einstein in einem Zürcher Krankenhaus.
Da die Friedhofsgebühren nicht bezahlt wurden, wurde ihr Grab bald eingeebnet.

-gm-

Literaturhinweis:
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf...
"Die Eltern" oder "Der Vater" der Relativitätstheorie?
Zum Streit über den Anteil von Mileva Maric an der Entstehung der Relativitätstheorie
von Margarete Maurer
aus: PCnews, Nr. 48, Jg. 11, Heft 3, Wien, Juni 1996, S. 20-27
http://iguwnext.tuwien.ac.at/~rli/Seiten/kooperat/maric1.htm

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