Dr. Helene von Druskowitz

2.5.1856 - 31.5.1918


Seiner Beschaffung zufolge ist der Mann seiner Gefährtin unwürdig, ein Ehehindernis und nicht ein Bindeglied. Er paßt überhaupt nicht in den Rahmen der vernunftbegabten Welt. Denn er ist zu roh und lügnerisch, sein Denken zu lückenhaft und weitschweifig, seine äußere Häßlichkeit zu eklatant, als dass er das Leben taktvoll zu beherrschen vermöchte.
Dr. Helene von Druskowitz
Zitat aus: Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt. Kore Verlag, Freiburg 1988


Geboren wurde Helene von Druskowitz am 2. Mai 1856 als Helena Maria Druschkovich in Hietzing, Wien. Sie war das jüngste von drei Kindern und das einzige Mädchen. Als sie zwei Jahre war, starb ihr Vater an einer Lugenentzündung. Das hinterlassene Vermögen erlaubte dem begabten Mädchen und ihren Brüdern eine höhere Bildung. Helene entschied sich zunächst für die Musik, wurde am Wiener Konservatorium zur Pianistin ausgebildet und absolvierte 1873 das Abschlußexamen im Klavierfach. Gymnasien waren zu dieser Zeit Jungen vorbehalten; da Helene jedoch die Musik nicht genügte, bekam sie Privatunterricht und konnte so 1874 als Externe am Piaristen-Gymnasium in Wien das Abitur machen. Im selben Jahr übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Zürich. An der dortigen Universität waren Frauen seit 1867 zum Studium zugelassen. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Archäologie, Orientalistik und moderne Sprachen. Mit 22 promovierte sie als erste Österreicherin und war nach der Russin Stefania Wolicka die zweite Frau, die in Zürich zum Doktor der Philosopie promovierte.

Helene von Druskowitz liess sich nicht in die übliche Frauen-Rolle drängen. Sie galt als weibliches Wunderkind und damit als Ausnahmeerscheinung. Doch der Weg, den sie gewählt hatte, war nicht leicht. Nach dem Studium hielt sie zunächst literar-historische Vorlesungen an verschiedenen Universitäten, lebte abwechselnd in Wien und in Zürich. 1881 machte sie die Bekanntschaft von Marie von Ebner-Eschenbach, in deren literarischem Zirkel sie u. a. Betty Paoli und Ida Fleischl-Marxow traf. Elf Jahre nach ihrem Studienabschluß griff Helene von Druskowitz in ihrer Komödie Die Emanzipationsschwärmerin das Kapitel Frauenstudium wieder auf. Sie kritisierte jedoch nicht die GegnerInnen des Frauenstudiums, sondern attakierte jene Frauen, die ohne wirkliches Intersse an die Universität gingen, dort mit konfusen Reden über die Frauenfrage Unruhe stifteten und lediglich versuchten, die Aufmerksamkeit der Männer zu erregen. Ihre ersten Dramen und Komödien (u.a. Sultan und Prinz, 1881) blieben erfolglos. Dabei sah sie es selbst als "Mordsspass", ihren eigenen Namen im Dunkeln zu lassen und unter verschiedenen, meist männlichen Pseudonymen zu arbeiten. Nach ihrem Misserfolg als Dramatikerin wandte sie sich wieder der Literaturwissenschaft zu. In zeitgenössischen Nachschlagewerken wird sie auch als Musikkritikerin erwähnt.

1884 lernte Helene von Druskowitz Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé kennen. Doch ihre Begeisterung für Nietzsches Philosophie stellte sich bald als "passion du moment" heraus. Nach eingehender Beschäftigung mit seinen Schriften zog sie zwar seine schriftstellerischen Fähigkeiten nicht in Zweifel, sprach ihm aber die philosophische Qualifikation ab. Diese kritische Einstellung verarbeitete sie aus dem Blickwinkel einer überzeugten Atheistin in ihrem 1886 veröffentlichten Buch Moderne Versuche eines Religionsansatzes. Unvergessen und unverziehen ist bis heute ihre Kritik an Friedrich Nietzsche, die auch in aktuellen Nietzsche-Biografien noch mit Empörung erwähnt wird.

Ihre Rolle als Außenseiterin zeichnete sich immer deutlicher ab und wurde von ihr in dem Stück Unerwartet (1889) verarbeitet. Helene rauchte und trank Alkohol wie viele intellektuelle Frauen des 19. Jahrhunderts, für die Zigarren und Alkohol Symbole geistiger Unabhängigkeit waren. Auch machte sie nie ein Geheimnis daraus, dass sie Frauen liebte. So selbstverständlich es für sie war, dass Frauen die gleichen Rechte besitzen sollten wie Männer, so wenig wünschte sie, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu verwischen. Zuhause fühlte sie sich nirgends, weder in einem Land, noch in einer religiösen Gemeinschaft. Als 1886 ihr Bruder, und zwei Jahre später ihre Mutter starb, waren ihr auch die familiären Wurzeln abhanden gekommen. Alkoholkrank geriet sie finanziell und emotional - auch durch eine gescheiterte Beziehung zu der international berühmten Primadonna Therese Malten, die am Dresdener Hoftheater Triumphe feierte - in die Krise.

1891 wurde die von Halluzinationen heimgesuchte 35jährige in die Kaiser Franz Joseph-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Oehling eingewiesen und am 7. Juni des selben Jahres entmündigt. Aber auch hier arbeitete sie weiter und veröffentlichte 1905 das polemisch-ironische Buch Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freisten Geister, in dem sie den "Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt" bezeichnete.

27 Jahre verbrachte Helene von Druskowitz in den Heilanstalten Mauer-Oehling. Im April 1918 wurde sie wegen ruhrverdächtiger Diarrhöe ins Infektionshaus der Anstalt gebracht. Am 31.5.1918 kurz nach ihrem 62. Geburtstag, starb sie. In einem Testament, das sie 1907 diktiert hatte, verfügte sie, dass ihr gesamter gedruckter und ungedruckter Nachlass verbrannt werden solle. Sie wünschte keine Mitteilung ihres Todes in den Zeitungen wohl aber einen Grabstein, auf dem ihr Name für die Nachwelt erhalten bleiben sollte.

Zum Weiterlesen:
Wahnsinns Frauen, Sibylle Duda und Luise F. Pusch, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main

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