Karen Blixen

Pseudonyme:
Isak Dinesen
Tania Blixen


17.4.1885 - 7.9.1962




Linktipp:

Karen Blixen Museet

"Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge..."
Diese Worte, die ersten in ihrem berühmtesten Buch, gehen in die Literaturgeschichte ein.
Der Name Karen Blixen (in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen, in den angelsächsischen Ländern als Isak Dinesen bekannt) ruft bei vielen vor allem die Erinnerung an den Film "Jenseits von Afrika" wach, der in den 1980er Jahren ein Welterfolg war. Er hat das heutige Bild von Karen Blixen entscheidend mitgeprägt.


Karen Christenze Dinesen lautet ihr Taufname. Am 17. April 1885 wird sie als zweites Kind des Offiziers, Politikers und Schriftstellers Wilhelm Dinesen in Rungstedlund in Dänemark geboren. Karen und ihre vier Geschwister wachsen in einem wohlbehüteten Elternhaus auf, doch sind ihre Kindheit und Jugend geprägt von der Erziehung in einem starren, bürgerlichen Milieu. 1895 begeht ihr Vater, der ihr sehr nahe stand, Selbstmord. Nach Schulabschluss studiert Karen von 1903 bis 1906 Kunst an der Royal Academy of Art in Kopenhagen. Bereits in jungen Jahren ist sie schriftstellerisch tätig. 1907 gibt sie ihr Debüt als Autorin unter dem Pseudonym Osceola verschiedener Kurzgeschichten.

Mit 28 Jahren heiratet Karen Blixen ihren Halbvetter, den Großwildjäger Baron Bror Blixen-Finecke (1886-1946). Sie wagt den Ausbruch aus der Enge ihres großbürgerlichen Elternhauses und entscheidet sich gemeinsam mit ihrem Mann außerhalb Dänemarks eine Existenz aufzubauen. 1913 kauft sie sich in dem damaligen Britisch Ostafrika die, größtenteils aus Geldern ihrer Familie finanzierte Farm "Ngong", in der Nähe von Nairobi. Auf 3.000 Hektar pflanzt sie Kaffee an. Viele warnen sie: auf 2.000 Meter Höhe wächst der Kaffee schlecht. Doch Karen kämpft um ihren Lebenstraum.

Eine Syphilis-Erkrankung zwingt sie in den Jahren 1915 und 1919 Afrika für mehrere Monate zu verlassen und sich in Dänemark in ärztliche Behandlung zu begeben. Ihre Ehe ist nicht glücklich und scheitert letzendlich. 1921 kehrt ihr Ehemann Bror nach Dänemark zurück und reicht die Scheidung ein. Karen Blixen denkt nicht an Aufgabe und bewirtschaftet die Farm alleine weiter. Sie liebt Afrika. Frei von weißen Vorurteilen entdeckt sie in ihren Dienern Farah und Kamante, in den Stämmen der Kikuyu und Massai, bei den Somalis und den Suaheli die menschliche Würde und Weisheit, die ihr bei den Europäern fehlt.

Denys Finch HattonBereits 1918 lernt sie die große Liebe ihres Lebens kennen: Denys Finch Hatton (1887-1931), ein adeliger Aussteiger, Intellektueller und Großwildjäger. Nach ihrer Ehescheidung 1925 lebt Finch Hatton, wenn er nicht auf Safari ist, zusammen mit Karen Blixen auf ihrer Farm bei den Ngong Hills. Doch Finch Hatton ist unfähig zu einer festen Beziehung, die sich Karen Blixen so wünscht. Er entdeckt seine Leidenschaft für die Fliegerei.

Über 11 Jahre führt Karen Blixen allein die Farm. Sie übersteht Dürrejahre, 1923 den Brand der Kafferösterei und eine Schießerei auf ihrer Farm. Doch 1931 ist das Jahr der Katastrophen: Sie verliert ihren Freund Finch Hatton. Am 14. Mai 1931 stürzt er mit seinem Flugzeug tödlich im Tsavo-Park ab. Zudem kann sie den fallenden Weltmarktpreisen für Kaffe auf Dauer nicht standhalten. Die Farm geht in den Bankrott.

Karen Blixen verkauft ihr Hab und Gut, verhandelt zäh mit der britischen Kolonialverwaltung, damit ihre Arbeiter ein neues Zuhause finden können und verlässt nach 18 Jahren für immer Afrika.

Nach Dänemark zurückgekehrt, bemerkt sie, wie sehr sie sich in der Zeit ihrer Abwesenheit verändert hat. Dieses umso mehr, als sie wieder in ihrem Elternhaus in Rungstedlund in der Nähe Kopenhagens lebt. Noch weniger als vorher paßt sie, die in Afrika ihre Farm mit mehr als tausend Angestellten selbständig geleitet hatte, in die Welt der dänischen Oberschicht und dem dort gepflegten Frauenbild.

In Afrika hatte sie ihr "Schlüsselerlebnis", das sie nie mehr loslassen sollte: neben dem überwältigenden Häuptling der KikiyusNaturerlebnis stand die Konfrontation mit der ihr völlig fremden Kultur der indigenen Völker Afrikas. Karen Blixen beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit der Lebensweise und der Weltauffassung der Massai wie der Kikuyu und betrachtete danach die europäische Kultur zunehmend mit einer gewissen Distanz, beinahe mit den Augen einer Fremden. Diese Perspektive nutzt sie für ihre literarische und filmische Arbeit, mit der sie nach ihrer Rückkehr an die Öffentlichkeit tritt und Weltberühmtheit erlangt.

Ihre schriftstellerische Tätigkeit bietet ihr einerseits die Möglichkeit, sich noch einmal eine unabhängige Existenz aufzubauen und andererseits einen Rückzug in eine Welt, die sie sich selber schuf und die meilenweit vom Alltag in der dänischen Provinz entfernt ist. Das Debüt "Sieben gotische Geschichten" erscheint 1934 in New York in Karen Blixens eigener englischer Fassung und wird ein großer Erfolg, gefolgt von Ausgaben im selben Jahr in England und Schweden. Aus dieser Position heraus erobert sie die Literaturszene Dänemarks ("Sieben phantastische Geschichten", 1935).
1937 folgen ihre romanhaften Erinnerungen "Die afrikanische Farm, Afrika, dunkel lockende Welt". Sofort gilt Karen Blixen neben Ernest Hemingway als die Erfinderin eines Mythos: so verlockend, so wild, so bezaubernd ist Afrika selten geschildert worden. Afrika wird bei Blixen zum Sinnbild der Freiheit, der Harmonie zwischen Natur und Kultur, Seele und Landschaft, Geschichte und Mythos. Ein sehr persönliches Afrika, das Land ihrer Sehnsucht. Aber die Autorin weiß auch um die Schatten, die auf dieses Paradies fallen: die Ausbeutung und der Ausverkauf Kenias durch die britischen Kolonialherren, die Vertreibung der Stämme aus ihren alten Stammesgebieten, die Großwildjäger, die die Tiere in Massen ermorden. So ist dieses Werk vor allem eine Klage gegen das Verlorene, gegen die Kommerzialisierung, ein Abgesang auf ein untergehendes Zeitalter.

Nur noch selten verlässt Karen Blixen die Einsamkeit ihres Gutshauses. Gesundheitlich ist sie sehr angeschlagen. Mit Erzählungen wie "Schicksalsanekdoten" (1955) oder "Schatten wandern übers Gras" (1960) macht sie international Karriere, vor allem in den USA.

Am 7. September 1962 stirbt Karen Blixen in Rungstedlund.

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