Ada Augusta Byron
Countess of Lovelace

10.12.1815 - 27.11.1852






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Der erste Programmierer der Welt war eine Frau

Ada wurde geboren am 10. Dezember 1815 als Tochter von Lord George Gordon Byron, erfolgreicher Dichter, und seiner Frau Annabella Byron, geborene Millbanke. Die beiden trennten sich jedoch bald. Zu Beginn der 30er Jahre ziehen Ada und ihre Mutter nach Middlesex, in die Umgebung von London. Ada lernt dort Mary Somerville kennen. Diese hilft ihr bei ihren Studien, und ihrem Vorbild als Mathematikerin eifert Ada nach. Als Ada - achtzehnjährig - 1833 in die Londoner Gesellschaft eingeführt wird, bleibt Mary Somerville für die folgenden Jahre ihre bevorzugte Anstandsdame, denn sie verschafft Ada den begehrten Zugang zu den wissenschaftlichen Zirkeln und den "scientific people" von London.

Ada unterhielt Briefwechsel mit vielen Wissenschaftlern ihrer Zeit, da den Frauen damals der Zugang zu den Universitäten verwehrt war. Als sie 17 Jahre alt war, lernte sie auf einer Party in London Charles Babbage kennen, der dort seine "Difference Engine" präsentierte. (Diese Maschine wurde allerdings nie gebaut.) Nun begann sie auch mit ihm einen Briefwechsel, denn sie wollte seine Schülerin und Mitarbeiterin werden. Dies gelang ihr aber vorerst nicht. Sie heiratete 1835, Lord William King, den späteren Grafen von Lovelace. Diesem gebar sie innerhalb von vier Jahren drei Kinder. Trotz dieser neuen Aufgaben schrieb sie sich weiterhin mit z. B. de Morgan, der sehr beeindruckt von ihrer "Denkkraft" war.

Im Jahre 1840 hielt Babbage in Turin eine Vortragsreihe, die von Luigi Menabrea protokolliert und von Ada ins Englische übersetzt wurde. Ada fügte dem ursprünglichen Text eigene Anmerkungen hinzu, die den dreifachen Umfang des ursprünglichen Artikels umfaßten. In diesen Anmerkungen entwickelt Ada die Konzepte der Schleife, der Unterroutine und des bedingten Sprunges. Ihre Arbeit wurde 1843 veröffentlicht.

Ihr Know-how artikulierte Lady Lovelace geschickt und anschaulich - bisweilen untermischt mit prophetischen Zwischentönen: "Die Analysemaschine", vermerkt sie einmal, "erhebt keinen Anspruch darauf, etwas Originäres zu schaffen; sie führt das aus, was wir, aus unserem Wissen heraus, ihr vorschreiben." Sie reflektierte auch über das Problem der bedingten Verzweigung und erläuterte die Prozedur. Sie erfand das Zählregister für iterative Abläufe, konzipierte ein binär-arithmetisches Rechenverfahren und erträumte sich programmiertechnische Kniffe, die vor dem Siegeszug der modernen EDV eigentlich kaum denkmöglich gewesen sein konnten.

Adas mathematisches Talent und die Ergebnisse ihrer Arbeit werden anerkannt. Ada selbst bleibt diese Anerkennung jedoch weitgehend verborgen. Menabrea lobt Adas Übersetzung seines "Memoir" und ihre Anmerkungen - erstaunt, daß sich hinter den Initialen A.A.L., die Ada auf Rat ihres Mannes hin verwendet hatte, eine Frau verbarg.

Babbage schlägt nach der Veröffentlichung von Adas Übersetzung und Anerkennung eine weitere Zusammenarbeit aus. Ada spielt kurz mit dem Gedanken, Prinz Alberts wissenschaftliche Beraterin zu werden. Sie versucht sich als Übersetzerin wissenschaftlicher Artikel. Ihre Interessen verlagern sich auf die Erforschung der Elektrizität und sie wendet sich Michael Faraday zu. Auch dieser lehnt Ada als Studentin und Mitarbeiterin ab. Ada entwirft für sich eine neue Karriere als Musikerin - auf der Harfe war sie schon als Kind unterrichtet worden und ihre musischen Interessen hatte sie neben ihren wissenschaftlichen Studien stets weiterverfolgt.

In Geldnöten beginnt sie 1850, sich an Pferdewetten zu beteiligen. Adas Finanzen wurden von ihrem Mann und ihrer Mutter verwaltet. Zunehmend verschuldet, versetzt sie zweimal Familienschmuck. Am 27. November 1852 stirbt Ada, 36 Jahre alt, in London an Gebärmutterkrebs.

Ada Augusta Countess of Lovelace kam posthum zu Ehren, als ihr die computerbefaßte Fachwelt 1979 ein symbolisches Denkmal setzte: Die "Green Language", so der bis dahin gängige Arbeitstitel, wurde in "ADA" umbenannt. Es handelt sich um eine "high order language" für Real-Time-Programmierung, die das amerikanische Verteidigungsministerium in Auftrag gab und die eine von Jean Ichbiah geleitete Forschungsgruppe der Cii Honeywell Bull anwendungsreif entwickelte.

Wenn also das US-Militär mit seiner umfänglichen EDV echtzeitlich ADA redet - eine französische Sprache mit englischem Wortschatz -, dann schwingt bei jedem Befehl ein kleiner Anerkennungsimpuls mit, ein Erinnerungsbit an die wenig bekannte Tatsache, daß der erste Programmierer der Welt eine Frau war!



Quellen:
Text: Ute Hoffmann, Computerfrauen - Welchen Anteil haben Frauen an der Computergeschichte und -arbeit?, 1987, Rainer Hampp Verlag, München
Heinzgünther Klaus, Jenseits von Bits und Bytes, 1980, Verlag der Honeywell Bull AG, Köln





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